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Zur Geschichte der Lederherstellung:

Tierhäute und –Felle wurden schon in der Frühzeit menschlicher Zivilisation auf einfache Weise präpariert und als

Bekleidung zum Schutz des Menschen vor Witterungseinflüssen verwendet.

Es ist anzunehmen, dass die rohen Häute und Felle zuerst nur durch Trocknen und Raucheinwirkung nutzbar ge-

macht wurden, bis man mit fortschreitender Entwicklung die Zivilisation erkannte, dass eine weitaus bessere Halt-

barkeit erzielbar ist, wenn das Hautmaterial mit gerbstoffhaltigen Pflanzenteilen (zerkleinerten Rinden, Hölzern oder

Früchten) behandelt wird. Man lernte auch durch Einhängen der Häute in Wasser (kontrollierter Fäulnisprozess) und

durch Behandlung des Hautmaterials mit Asche (die Haare zu entfernen, wenn das „gegerbte“ Hautmaterial nicht als

Pelz sondern als Leder verwendet werden sollte.

Neben verschiedenen Arten der Vegetabilgerberei (Loh- und Rotgerberei) ist auch die Sämischgerberei mit Tran,

Fett oder Öl aus historischer Überlieferung bekannt und wird zum Teil heute noch praktiziert. Die Weißgerberei mit

Alaun ergänzte vermutlich erst später den Erkenntnisstand der frühen Gerber.

Das Färben (ursprünglich Bemalen) des Leders mit pflanzlichen, tierischen oder mineralischen, farbigen Materialien

ist ebenfalls aus sehr früher Zeit bekannt.

Aus diesen Anfängen entwickelte sich im Laufe der Jahrhunderte ein traditionsreiches Handwerk. Nach Einführung

der Chromgerbung, etwa seit Ende des 19. Jahrhunderts entstanden Industriebetriebe, deren weltweite Verbreitung

und wirtschaftliche Bedeutung allgemein bekannt ist.

Lederarten

Die nachstehende Übersicht gibt Hinweise auf typische Eigenschaften der einzelnen Lederarten und auf die dafür

verwendeten Rohwaren.

ASA-Leder

sind Leder für Arbeiter-Schutz-Artikel (Schuhe, Handschuhe, Schürzen) aus chromgegerbten Spalten,

Rind- oder Schweinsledern, oft mit Spezialausrüstung (schwer entflammbar, ölabweisend)

Bekleidungsleder

sind rein chromgegerbte oder kombiniert gegerbte, dünne, weiche und geschmeidige Narbenle-

der- oder Velourleder aus Schaf-, Ziegen-,Kalbfellen sowie aus Schweins- und Großviehhäuten.

Blankleder

sind pflanzlich gegerbte, kräftige Rindleder für Militärartikel (Riemen, Koppeln) und rustikale Stuhlsitze.

Fensterleder

werden aus Schafspalten durch Sämischgerbung mit Tran hergestellt.

Futterleder

ist ein relativ dünnes, vegetabil-synthetisch, chrom- oder chrom-vegetabil gegerbtes Leder. Neben Un-

tersortimenten von Schaf-, Rind-, Kalb- und Roßleder werden Schafnarbenspalte und Rindspaltleder als Futterleder

für Schuhinnenbau verarbeitet.

Geschirrleder

ist ein kräftiges, vollnarbiges Leder aus Großviehhäuten für Pferdegeschirr und Sättel meist in Vege-

tabil-Synthetischer, selten in Kombination Chrom-Vegetabil- oder Chromgerbung.

Möbelleder

sind dünne, meistens chromgegerbte Leder aus großflächigen Rindhäuten.

Nappaleder

sind sehr weiche, dünne Lederarten für Schuhe, Handschuhe, Lederbekleidung und Polstermöbel in

Chromgerbung.

Nubukleder

sind chromgegerbte, leicht nachgegerbte Kalb- oder Rindleder, deren Narbenseite samtweich geschlif-

fen ist, für Schuhe, Lederbekleidung, Gürtel usw.

Narbenleder

haben noch die natürliche Narbenoberfläche in Unterschied zu geschliffenen narbenkorrigierten

Schleifboxledern und Spaltledern.

Oberleder

ist ein Sammelbegriff für alle für den Schuhoberbau geeigneten Lederarten.

Polsterleder

veg. Möbelleder, Vachettenleder.

Leder – was ist das eigentlich?